Alte Holztruhe restaurieren

alte Holztruhe restaurieren

Bei uns im Ort gibt es einen Trödelladen, da darf ich eigentlich gar nicht mehr rein. Jedes Mal bring ich etwas von dort mit, weil, nun ja, weil es einfach sein muss 🙂 In den allermeisten Fällen sind das kleine Dinge, die als Gartendeko herhalten, dieses Mal jedoch hab ich mich überrumpeln lassen. Von einer ollen Holzkiste. Keine Ahnung, was mich angesprochen hat. Die fiese Lackfarbe außen kann es nicht gewesen sein, ein leichtes „ich-nehm-dich-mit“-Gewicht hat das Ding auch nicht… ich musste extra nochmal mit dem Auto vorfahren, um sie mitzunehmen. Aber, wie sie dann jetzt fertig ist, hat es sich gezeigt – war ne gute Entscheidung !

Solche spontanen Käufe passieren mir beim Trödel immer wieder (leider). Aber, das hat auch sein Gutes, denn dann gehen mir die Upcycling-Projekte einfach nicht aus. Man muss sich immer ein wenig Zeit mitnehmen, wenn man die alten Dinge durchstöbert. Manches fällt nicht sofort ins Auge, aber bei genauerem Hinsehen kommen dann die Idee. Vor allem bei alten Holzmöbeln kann ich kaum widerstehen.

Jetzt steht da also diese Riesenkiste und ich frag mich, wie ich die je „ent-lackieren“ kann.  Ich dachte mir, schlimmer kann es nicht werden und habe mich wirklich sehr grob mit dem Handschleifer dran gemacht (inkl einer alten Corona-Maske, damit ich den Staub nicht einatmen muß). Im Einzelnen beschreib ich es euch gleich, hier nur kurz eine Liste, was ich alles gebraucht habe: *affiliate Links

Vor dem eigentlichen Start wurde mir dann auch klar, dass das keines meiner schnellen Projekte wird. Die Kiste hat eigentlich nur grade Flächen, man sollte meinen, die lassen sich schnell abschleifen. Aber grade die kleinen Ecken rund um die Beschläge haben es dann in sich. Oder auch die dicken Lackreste, die in manche Macken eingezogen sind. Aber: nur Geduld, das wird werden :).

Alten Lack vom Holz entfernen

Die Holzkiste war ja nicht nur fies lackiert, inkl. aller Eisenbeschläge. Es waren auch Macken im Holz und abgestoßene Kanten. Ich habe mit Handschuhen gearbeitet, damit ich mir keine Splitter einziehe. Das Entfernen des alten Lacks hat relativ lange gedauert und mich einiges an Schleifpapier gekostet. Ich habe die Kanten gleich mit „bereinigt“, so dass es keine Splitter mehr gab und die Kiste zum Schluss einigermaßen eben und glatt war.

alte große Holztruhe wird restauriert

Gelernt

Es ist mir besonders bei diesem Projekt nun aufgefallen, dass es wirklich wichtig ist, mit welcher Körnung im Schleifpapier man arbeitet. Mit dem groben habe ich die (grobe) Vorarbeit gemacht und habe dann aber relativ schnell auch auf feinere Körnung umgestellt. Die grobe rubbelt zwar ganz gut die ersten Schichten weg, aber sie hinterlässt halt auch Spuren im Holz. Das wollte ich vermeiden, das alte Stück hat eh schon viele Dellen, da muss ich nicht noch welche per Hand hineinschleifen.

Sicherheit beachten: die alte Corona – Maske war zwar echt nicht schön, aber machte wirklich sehr viel Sinn. Beim Abschleifen entwickelte sich unfassbar viel Staub von dem alten Lack. Das möchte wirklich keiner Einatmen. Und die Arbeitshandschuhe waren auch wichtig. Um noch ein bisschen Gefühl für die Arbeit zu haben, habe ich zwar nur dünne benutzt, also keine dicken aus Leder, aber die sind auf jeden Fall besser, als keine zu tragen.

Eisenbeschläge reinigen

Das Schlimmste war die Arbeit an den Beschlägen. Unter dem roten Lack kam noch eine schwarze Farbe zum Vorschein. Ich habe versucht, alles schonend mit Metall-Schleifpapier zu reinigen. Aber damit hatte ich gar keinen Erfolg. Ich habe dann Lappen großzügig in Verdünnung getränkt und konnte damit dann wirklich einen sehr großen Teil der Farbschichten lösen.

Holztruhe mit Eisenbeschlägen, vor und nach der Reinigung

Wahrscheinlich hätte man alles abbekommen, aber mich verließ die Lust. Die Beschläge sind daher nicht alle wunderschön in reinem Eisen, sondern tragen noch schwarze Farbspuren. Das Abreiben mit der Verdünnung hat die alte Farbe auch in das Holz nebendran übertragen. Das ließ sich aber leicht anschleifen und ist jetzt, nach Fertigstellung, nicht mehr sichtbar.

Im Nachhinein bin ich eigentlich auch ganz froh, dass ich nicht alles blank geputzt habe. Jetzt, wo sie fertig ist, ist der „Gesamteindruck“ dadurch eigentlich schöner. Denn sie ist nun einmal ein altes Stück und das sieht man immer noch.

Eisenbeschläge an Truhe, vor und nach der Reinigung

Gelernt

Beschläge, so sagt man, sollen vor der Arbeit abmontiert werden. Das hätte hier wahrscheinlich auch einiges an Arbeit gespart, denn ich hätte sie einfach in der Verdünnung einlegen können. Aber Abschrauben war einfach nicht möglich. Man erkennt das auf den Fotos ganz gut, dass die Rille in den Schrauben nicht besonders tief ist. Ein Schraubendreher hat dadurch sowieso schon mal keinen guten Halt. Hier kam noch hinzu, dass durch den Lack die Schrauben eh wie festgelötet waren. Da ließ sich leider nichts lösen. Aber, vielleicht geht da ja was bei eurem Projekt.

Streichen

Ich habe die Truhe innen mit einer weißen Grundierung vorgestrichen. So verhindert man, dass hinterher gelbe oder dunkle Flecken durch die Farbe schlagen, wenn doch irgendwelche Altlasten noch im Holz stecken.

Auf der linken Seite im Bild unten seht ihr die weiße Vorstreichfarbe. Die habe ich 2 x aufgetragen, da der erste Auftrag tatsächlich noch fleckig war. Ohne Grundierung, nur mit „normaler“ Farbe, hätte ich echt keine Chance auf ein schönes Farbergebnis gehabt.

Rechts seht ihr dann den ersten Auftrag der Kreidefarbe. Ich habe die auch 2 x gestrichen. Nach jedem Anstreichen leicht anschleifen. Und ganz zum Schluss habe ich auch innen alles gewachst. Das wird nicht klebrig oder schmierig, so ein Möbelwachs ist ein richtig schöner natürlicher Abschluss nach dem Farbauftrag. Und hat außerdem den Vorteil, dass sich das Holz durch das Wachs ganz schön anfühlt und gut riecht. Ich werde nichts besonderes in der Kiste lagern, aber, was auch immer darin ist, soll ja nicht irgendwie komisch riechen, schon gar nicht chemisch nach Lack.

Gelernt

Beim Streichen gilt echt: nicht zu dick auftragen! Lieber den ersten Anstrich gut trocknen lassen und ein zweites Mal streichen, als einmal zu dick. Das wirkt schnell ungleichmäßig und macht dann auch keinen Spaß.

Den Pinsel müsst ihr übrigens nicht immer gleich auswaschen, wenn ihr das Projekt mal über Nacht trocknen lasst. Der kann einfach in eine Plastiktüte gewickelt werden, wie man sie z.B. vom Obsteinkauf über haben könnte. Wenn ihr die Tüten fest um den Pinsel wickelt, bleibt innen die Farbe feucht, der Pinsel trocknet nicht aus und ihr könnt am nächsten Tag einfach weiter machen.

Große Holztruhe von Innen mit Vorstreichfarbe streichen

Lasieren und Wachsen

Die Holztruhe wollte ich eigentlich farbig streichen. Aber dann fand ich es schade um das schöne Holz. Ich habe mich dann entschieden, sie farblos zu gestalten. Ich habe sie also nur lasiert. Und jetzt kann ich sagen: zum Glück. Die Farbe hätte der Truhe viel von ihrer Lebendigkeit genommen, im Prinzip hätte ich sie ja wieder genauso zugekleistert, wie sie zuvor gewesen ist.

Nach der Lasur wird noch einmal mit einer feinen Körnung ganz leicht geschliffen, um die Holzfasern zu entfernen. Und nun wird gewachst mit farblosem Wachs. Dadurch entstand so eine schöne Honigfarbe. Nun sieht man zwar noch die restlichen Überbleibsel des alten Lacks, dort wo er in allzu tiefe Holzrinnen gesickert war. Aber das stört gar nicht. Das macht die Truhe erst schön, finde ich. Und, wenn im Laufe der Zeit irgendwelche neuen Macken hinzukommen sollten, können die mit eine wenig Wachs nachbearbeitet werden und fallen dadurch nicht mehr auf. Wäre die Truhe gestrichen, würden Macken und Kratzer in der Farbe eindeutig mehr auffallen.

Zum Abschluss habe ich Rollen unter die Truhe geschraubt. Sie könnte natürlich auch ohne Füße oder Rollen irgendwo stehen. Aber sie ist wirklich richtig schwer. Die Füße werden ein klein wenig helfen, sie später auch mal zu bewegen, und sei es nur, weil ich mal darunter staubsaugen möchte.

Diese Rollen hier, die sich noch in meinem Fundus fanden, sind leider einfach zu klein für die große Truhe. Das werde ich noch ändern, damit man sie einfacher verschieben kann. Denn, wenn sie erst voll ist mit Krimskrams, bewegt sie so schnell keiner mehr. Darum: bitte unterschätzt nicht den Vorteil von Rollen oder Rädern. Außerdem könnten schönere große Rollen noch ein wirklich guter Hingucker werden. Vielleicht finde ich passende Metallrollen, die irgendwie „industrial“ sind und gut zu den Eisenbeschlägen passen.

Alte Holztruhe mit gereinigten Eisenbeschlägen

Und fertig ist das gute Stück. Es hat sich einige Zeit hingezogen. Die Schleifarbeit hat lange gedauert. Ich habe anschließend die Kiste auch mit einem sehr feuchten Lappen ausgewaschen um den Schleifstaub abzukriegen. Das hieß, die Kiste muss wieder einige Tage stehen, um gut durchzutrocknen. Aber, ich hatte ja keinen Termindruck damit.

Jetzt steht sie da und wartet auf Inhalt, Decken und Kissen werden da auf jeden Fall Platz finden.

alte große Holztruhe mit Decke darin

Und, wenn dann irgendwann einmal die richtigen Rollen darunter sind, können wir sie auch als Sitzgelegenheit nutzen. Sie ist ein klein wenig niedrig, um irgendwo an einem Tisch zu stehen. Aber, z.B. zum Anziehen der Schuhe hat sie die perfekte Höhe. Und, alles das, was wir nicht brauchen, schmeißen wir einfach hinein. Eigentlich ist so eine Truhe wirklich das perfekte Möbelstück, ich wusste das nur noch nicht 🙂

alte Holztruhe neu geschliffen und lasiert

Das nächste Projekt kann kommen. Es wird aber nicht mehr ein so aufwändiges sein. Ich habe auch, ehrlich gesagt, nicht mehr so viel Platz, um noch so ein großes Stück unterzubringen. Ich könnte natürlich auch alles wieder zurücktragen zum Trödel, damit jemand anderes Freude an dem aufbereiteten Stück hat, aber ich kann mich ganz schlecht trennen von Dingen, die ich mit viel Mühe irgendwie aufgehübscht habe. Sammel-Syndrom…

Schaut euch noch was anderes an, vielleicht bekommt ihr eine Idee beim nächsten Trödelbesuch und macht es mir nach.

Ein alter Nachttisch aus Ur-Omas Zeiten (so ein Model gibt es eigentlich recht häufig in Trödelläden): Upcycling Nachttisch

Oder einen kleinen Beistelltisch aufarbeiten? Der Tisch war ein Glücksfund bei eBay. Tischchen im Shabby-Stil

oder was ganz kleines, ein altes Nähkästchen, was ich mal auf einem Flohmarkt gefunden habe. Flohmärkte sind auch echt ganz gefährlich für mich. Als ich das kleine Ding gekauft habe, habe ich insgesamt gleich drei Nähkästchen gekauft. Alle sehen unterschiedlich aus und sind einfach „hübsch“ 🙂  Nähkästchen aufarbeiten

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